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Auf großer Bühne gut präsentiert


MC Vellahn punktet bei Prädikatsveranstaltung mit Läufen zur Quad-Europameisterschaft mit toller Strecke und guter Organisation

Vellahn: Nicht gerade vom Wetter verwöhnt waren die Motocrosser am Wochenende in der Vellahner Heide. Die hochkarätige Veranstaltung mit Läufen zur Quad-Europameisterschaft, den deutschen Meisterschaften der 65- und 85-ccm Klasse sowie dem traditionellen Heidepokal (gleichzeitig Landesmeisterschaft MX1) hätte ohne Frage etwas mehr Sonnenschein verdient gehabt. Stattdessen sorgte insbesondere der ziemlich verregnete Sonntag für schwierige Bedingungen. Das galt natürlich in erster Linie für die Fahrer, aber auch die vielen Helfer und nicht zu vergessen die Zuschauer mussten sich arrangieren. „Respekt vor denen, die sich trotzdem auf den Weg gemacht haben und geblieben sind“, sagte Thomas Herr. Der sportliche Leiter des MC Vellahn zog vor allem den Hut vor den jungen Motocrossern, die sich den Herausforderungen absolut professionell stellten und mit schönem Racing zeigten, dass sie nicht von ungefähr zu den größten deutschen Talenten zählen. Von Ausrutschern blieb niemand verschont.

Bei den 65ern hätte es aus MV Sicht kaum besser laufen können. Durch seinen Tagessieg rückte der Schweriner Niklas Ohm dem in der DM Gesamtwertung führenden Leon Rudolph, der in Vellahn Dritter wurde, dicht auf die Pelle. Platz zwei sicherte sich Paul Neunzling (Pinnow), Lokalmatador Robin Sternberg durfte sich über den fünften Rang freuen. In der 85-ccm Klasse konnte der DM Führende Simon Längenfelder (Oberkotzau) seinen Vorsprung durch einen souveränen Tagessieg ausbauen. Begeisternd war aber auch die Aufholjagd von Nikita Kacherov. Der mit deutscher Lizenz fahrende junge Russe rollte das Feld im ersten Lauf von hinten auf und fuhr noch ganz an die Spitze. Da sich die Konkurrenz gegenseitig die Punkte abnahm, reichte es für ihn trotz unglücklich verlaufenden zweiten Laufes am Ende zum zweiten Platz im Tagesklassement. Bester MV Starter war der neuntplatzierte Schweriner Nick Sellahn.

Nicht zu schlagen war in Vellahn Kevin Saar. Der Este fuhr in allen Trainingsläufen zur Quad-Europameisterschaft Bestzeit und bestätigte seine Klasse, als es „ernst“ wurde, eindrucksvoll mit zwei Laufsiegen in diesem Spitzenfeld. „Es war natürlich schon ein großer Vorteil, bei diesen Bedingungen den Start für sich entscheiden zu können“, gab sich der Dominator bescheiden. Während er sein Rennen von der Spitze aus mit weitgehend freier Sicht bestritt, waren die Verfolger schon nach einer Runde kaum noch zu erkermen. Zweiter wurde ebenso souverän Janis Tanhuanpää (Finnland). Mit seinem dritten Platz konnte Roman Gwiazda (Polen) die Fachleute schon ein wenig überraschen. Die notwendige europäische Lizenz für diese offen ausgeschriebene zweite EM Station hatte auch der weitgereiste Luke Gaisford erworben. Der Australier, der als Fünfter in Sachen angepeilter Top-Five-Platzierung eine Punktlandung hinlegte, zeigte sich sehr angetan vom Vellahner Terrain: „Das ist eine der besten Strecken, die ich kenne.“

Das war bei weitem nicht die einzige Anerkennung aus berufenem Munde. Hellauf begeistert hatte sich schon bei der Streckenbegehung am Freitag Marian Zupa (Polen) gezeigt. Und der Jury-Präsident von der FIM Europe konnte kaum glauben, wie schnell die wenigen kleinen Beanstandungen erledigt waren. „Wir haben eben ein gut eingespieltes, tolles Team“, hob André Eltermann mit berechtigtem Stolz hervor. An beiden Renntagen waren jeweils an die 100 Helfer im Einsatz. Der 1. Vorsitzende des MC Vellahn möchte sich bei ihnen allen noch einmal herzlich bedanken, ebenso wie bei den treuen Sponsoren. „Ohne diese große Unterstützung wäre das nie und nimmer zu packen.“ Die Entwicklung versetzt Max Räth immer wieder in Erstaunen. „Wirklich toll. Es gibt bei jeder Veranstaltung eine
positive Veränderung – fürs Auge und für die Sicherheit der Fahrer“, hätte der 80-jährige Vellahner Ehrenvorsitzende, der die Geschicke des Vereins von 1982 bis 2010 lenkte, nie gedacht, in seinem langjährigen, „Wohnzimmer“ einmal Europameisterschaftsläufeverfolgen zu können.

Während die Quads und die DM-Starter am Sonntag ihre Sieger ermittelten, hatten die besten MX1-Fahrer des Landes diesmal schon einen Tag zuvor ihren Auftritt. Es ging um den heiß begehrten Heidepokal. Und den sicherte sich durch zwei zweite Plätze Michel Suhr (MC Mecklenburg-Strelitz). „Ich bin kurz vor Schluss weggerutscht. Das hat mich ein paar Plätze gekostet“, hatte der am Ende um einen Punkt geschlagene Dan Kirchenstein (MC Fichtenring Burg Stargard) schon ein wenig mit seiner Enttäuschung zu kämpfen. Noch enger ging es im Kampf um Platz drei zu. Weil er den zweiten Lauf gewinnen konnte, verwies Oskar Hotho (Altentreptow) den punktgleichen Wittenburger Denny Wolter (MC Vellahn) auf den vierten Rang.

„Ich denke, wir haben nicht nur den MC Vellahn, sondern auch den deutschen Verband auf internationaler Bühne würdig präsentiert“, fasste Thomas Herr seine Eindrücke zusammen. In dieser Woche werden die Vellahner mit Abbau- und Aufräumarbeiten noch alle Hände voll zu tun haben. Aber wer die rührigen MC-„Macher“ kennt, der weiß, dass sie zumindest gedanklich schon an den nächsten motorsportlichen Höhepunkten in ihrer Heide „basteln“.

Thomas Willmann